Donnerstag, 27. Oktober 2016

[Buch] Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo

"Es war einmal Aleppo", der Erstling von Jennifer Benkau unter dem neuen Label INK REBELS, wurde mir als Vorabexemplar zur Verfügung gestellt. Er spielt im Sommer 2015, als die Flüchtlingskrise über Deutschlands Grenzen schwappte und in der Bevölkerung eine großartige Welle der Hilfsbereitschaft aber auch feindselige Skepsis auslöste.

Als Antonia mit ihren Eltern und ihrem Bruder aus einem handy- und internetfreien Sommerurlaub in Dänemark zurück kommt, fällt die Familie aus allen Wolken: Der ehemalige Tennisclub direkt gegenüber wurde von der Stadt in ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge umfunktioniert. Ihr Vater ist außer sich vor Wut und verfällt in kleinbürgerlichen Aktivismus, doch auch Toni macht das Lager Bauchschmerzen. Bis ihre beste Freundin sie als freiwillige Helferin einspannt und Toni auf Shirvan trifft. Je mehr sie dem in sich gekehrten Syrer zuhört, je mehr sie über den Krieg und seine Opfer lernt, desto komplizierter wird es..
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Jugendbücher gehörten schon immer zu meinem liebsten Lesestoff, weil sie sich wunderbar dazu eignen, reale Problematiken so aufzubereiten, dass junge Menschen einen Zugang dazu finden, ohne sich belehrt zu fühlen. 

Jennifer Benkau, die sonst eher in der Urban Fantasy zu Hause ist, begibt sich mit "Es war einmal Aleppo" auf ungewohntes Terrain mitten in der Realität: Toni, ein ganz normaler deutscher Teenie, gerät unverhofft in eine Situation, die ihr eigentlich viel zu groß ist, und lässt den Leser an ihrem Erleben und ihrem Gedankenchaos teilhaben. Das liest sich gerade deshalb so authentisch und als Szenario absolut vorstellbar, ohne reißerisch zu sein, weil Jennifer Benkau für diese Geschichte nicht nur monatelang Schicksale und Hintergründe recherchiert hat, sondern auch persönliche Erfahrungen aus der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit einfließen lässt.

Das Ergebnis ist ein gesellschaftskritischer All Age-Roman über Zivilcourage und den Mut, über den eigenen Tellerrand zu sehen, der wachrüttelt und Mitgefühl auslöst: "Es war einmal Aleppo" hat mich berührt und in seiner unaufgeregten Schlichtheit umso mehr von seinem Anliegen überzeugt. Unbedingt lesenswert, nicht nur für Jugendliche.


"Es war einmal Aleppo" ist ab sofort als Kindle-Ausgabe für 3,99 Euro bei Amazon bestellbar, eine ausführliche PDF-Leseprobe gibt es hier. Übrigens: Für jedes bis zum 1.11.2016 verkaufte Exemplar werden 0,50 Euro an Autoren helfen gespendet - also ran! 





Ebenfalls lesenswert: Dieser Artikel in dem die Autorin und ihre Kolleginnen ein schwieriges Dilemma thematisieren: Darf man überhaupt einen Roman über das unfassbare echte Leid von Kriegsopfern und Flüchtlingen schreiben? Und wenn ja, wie?

Kommentare:

  1. Oh, das klingt spannend! Und da ich gerade in einer Internationale Klasse DaZ unterrichte, in die auch einige syrische Flüchtlingskinder gehen, interessiert mich das besonders. Leider bekommt man es wirklich nur als kindle-Ausgabe. Das nützt mir nix. Schade.

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    1. Die TB-Ausgabe wird kommen, allerdings ist momentan noch nicht raus, wann genau :)

      LG,
      Hadassa

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